Wer in Deutschland „brasilianisches Essen“ sagt, meint meistens Churrasco: Kellner mit Fleischspießen, die so lange an den Tisch kommen, bis man das Kärtchen auf Rot dreht. Das gibt es in Brasilien auch. Aber die brasilianische Küche mit dem Rodízio zu erklären ist ungefähr so, als würde man die deutsche mit der Currywurst erklären. Nicht falsch, nur sehr unvollständig.
Kurzantwort: Brasilianisches Essen ist vor allem regional. Bahia kocht mit Dendê-Palmöl und Kokosmilch, etwa Moqueca und Acarajé. Minas Gerais steht für Käse, Bohnen und Pão de Queijo, der Süden für Churrasco, Rio für Feijoada und Botecos, der Amazonas für Flussfisch und Açaí. Die gemeinsame Basis im ganzen Land sind Reis und Bohnen.
Was ist typisch brasilianisches Essen?
Typisch brasilianisch ist an erster Stelle Reis mit Bohnen, arroz e feijão, dazu Farofa aus geröstetem Maniokmehl. Diese Kombination steht im ganzen Land fast jeden Mittag auf dem Tisch, vom Büro in São Paulo bis zur Fazenda im Pantanal.
Alles andere ist Region. Brasilien ist größer als die gesamte EU, und seine Küche hat sich aus sehr verschiedenen Zutaten und Einwanderungswellen entwickelt: afrikanisch geprägt im Nordosten, portugiesisch und bäuerlich im Hochland von Minas, italienisch und japanisch in São Paulo, indigen und vom Fluss bestimmt im Amazonas. Wer durch Brasilien reist, isst deshalb auf jeder Etappe etwas anderes, und das ist einer der besten Gründe, mehr als eine Region zu besuchen.
Was isst man in Salvador und Bahia?
In Salvador isst man Moqueca und Acarajé, und beides lebt vom Dendê, dem rötlichen Palmöl, das der bahianischen Küche Farbe und Geschmack gibt. Moqueca ist ein Fisch- oder Meeresfrüchte-Eintopf mit Kokosmilch, im Tontopf serviert. Acarajé ist ein frittiertes Bällchen aus Augenbohnen, gefüllt und scharf.
Das Acarajé verkaufen die Baianas an Straßenständen, in weißer Tracht, und ihr Handwerk ist seit Januar 2005 offiziell als Kulturerbe Brasiliens eingetragen, beim nationalen Denkmalamt IPHAN. Es gehört zu den afrobrasilianischen Traditionen, die Salvador bis heute prägen. Wer es zum ersten Mal isst, wird nach der Schärfe gefragt. Die ehrliche Antwort für die meisten Gäste aus Mitteleuropa lautet: wenig. Bahianisches „wenig“ ist immer noch eine Aussage.
In Salvador gehört eine geführte Food-Tour zu den Dingen, die wir am häufigsten einplanen, und unser Reiseführer zu Salvador da Bahia beschreibt, was dazu gehört.
Was ist Comida Mineira?
Comida Mineira ist die Küche von Minas Gerais, und viele Brasilianer halten sie für die beste des Landes. Sie ist bodenständig und langsam gekocht: Bohnen, Schweinefleisch, Grünkohl, Maismehl, und vor allem Käse, oft auf dem Holzofen zubereitet.
Aus Minas kommt das Pão de Queijo, das kleine Käsebrot, das inzwischen in ganz Brasilien zum Frühstück gehört. Und aus Minas kommt der Queijo Minas selbst: Die handwerkliche Herstellung aus Rohmilch ist seit Juni 2008 als Kulturerbe Brasiliens registriert und steht inzwischen auch auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Man kann also mit gutem Gewissen behaupten, dass man in Ouro Preto zum Frühstück Kulturerbe der Menschheit isst.
Wie sich Barockstädte und Küche verbinden lassen, zeigt unsere Seite zu Minas Gerais, und die Reise Kultur und Geschichte führt genau durch diese Region.
Was isst man in Rio de Janeiro?
In Rio de Janeiro isst man Feijoada, den Eintopf aus schwarzen Bohnen und Schweinefleisch, traditionell am Samstag, und man isst im Boteco. Botecos sind einfache Nachbarschaftskneipen mit kaltem Bier, kleinen Gerichten und Stammgästen, die dort schon seit Jahrzehnten sitzen.
Das Boteco ist für den Alltag in Rio wichtiger als jedes Restaurant mit Aussicht. Wer dort mit einem Guide hineingeht, lernt in einer Stunde mehr über die Stadt als an einem Vormittag am Zuckerhut, und bekommt nebenbei erklärt, was man bestellt und was nicht. Genau das ist einer der Gründe, warum unsere Touren in Rio de Janeiro privat sind.
Wo isst man in Brasilien das beste Churrasco?
Das Churrasco stammt aus dem Süden Brasiliens, aus der Tradition der Gaúchos, und im Süden ist es am selbstverständlichsten. Als Rodízio, bei dem das Fleisch am Spieß an den Tisch kommt, gibt es es heute in jeder größeren Stadt des Landes.
Ein gutes Beispiel für den Süden ist Foz do Iguaçu. Die Grenzstadt wurde von Menschen aus aller Welt gebaut und isst entsprechend: libanesisches Gebäck neben einem paraguayischen Chipa-Tresen neben einem Churrasco-Grill, alles in wenigen Blocks. Unser Reiseführer zu Foz do Iguaçu beschreibt den Food-Walk, der genau diese Mischung abläuft.
Was isst man im Amazonas?
Im Amazonas isst man vor allem Flussfisch, dazu Maniok in vielen Formen und Früchte, die es anderswo kaum gibt. Açaí wird dort nicht als süße, gefrorene Schale gegessen wie in den Cafés im Süden, sondern ungesüßt, als Beilage zum Fisch.
Das ist der Moment, in dem viele Gäste merken, dass sie Açaí bisher nur als Nachtisch kannten. Im Norden gehört es auf den Teller neben den Fisch, nicht in die Dessertschale. Wie eine Reise in den Regenwald aussieht, zeigt unsere Seite zum Amazonas.
Was trinkt man in Brasilien?
In Brasilien trinkt man Caipirinha, frische Fruchtsäfte, Guaraná und den Cafezinho, einen kleinen, starken und meist süßen Kaffee. Die Caipirinha ist sogar gesetzlich definiert: Nach einem Bundesdekret von 2009 besteht sie aus Cachaça, Limette und Zucker.
Das Dekret legt auch den Alkoholgehalt fest, 15 bis 36 Volumenprozent, was erklärt, warum die zweite Caipirinha am Strand oft mehr Wirkung zeigt als geplant. Die Säfte sind das eigentliche Alltagsgetränk. Fast jede Saftbar presst frisch, und die Karte liest sich wie ein Obstkatalog, in dem man die Hälfte der Namen noch nie gehört hat.
Wie erleben Sie die Küche auf einer Brasilienreise?
Die Küche erleben Sie am besten mit einem Guide, der weiß, welche Tür man aufmacht, und über Etappen in verschiedenen Regionen. Geführte Food-Touren planen wir vor allem in Salvador, in São Paulo und in Foz do Iguaçu, dazu Botecos in Rio.
Ein Satz, der uns etwas kostet: Wir sind keine Gourmetreise und keine Kochschule. Wenn Sie eine Reise suchen, die sich um Sterneküche dreht, gibt es spezialisierte Anbieter, die das besser können. Was wir können, ist, die Küche dorthin zu legen, wo sie ohnehin am besten ist, an den Straßenstand in Salvador, auf den Markt in São Paulo und in die Kneipe um die Ecke in Rio. In São Paulo, wo fast jeder Langstreckenflug landet, ist eine Food-Tour ein guter Start in die Reise.
Häufige Fragen
Was ist das Nationalgericht Brasiliens? Meist wird die Feijoada genannt, ein Eintopf aus schwarzen Bohnen und Schweinefleisch, der besonders in Rio de Janeiro traditionell am Samstag gegessen wird. Im Alltag ist die eigentliche Grundlage aber Reis mit Bohnen, arroz e feijão.
Was ist Acarajé? Ein frittiertes Bällchen aus Augenbohnen, in Dendê-Palmöl ausgebacken und gefüllt, das die Baianas in Salvador an Straßenständen verkaufen. Ihr Handwerk ist seit 2005 beim Denkmalamt IPHAN als Kulturerbe Brasiliens eingetragen.
Was ist Pão de Queijo? Ein kleines Käsebrot aus Minas Gerais, das heute in ganz Brasilien zum Frühstück und als Snack gegessen wird. Der Queijo Minas, der Käse dahinter, ist seit 2008 Kulturerbe Brasiliens und steht inzwischen auch auf der UNESCO-Liste.
Woraus besteht eine echte Caipirinha? Aus Cachaça, Limette und Zucker. So definiert es ein brasilianisches Bundesdekret von 2009, das auch einen Alkoholgehalt von 15 bis 36 Volumenprozent vorschreibt.
Wo isst man in Brasilien am besten? Es kommt auf die Küche an: für Moqueca und Acarajé in Salvador, für Comida Mineira in Minas Gerais, für Churrasco im Süden, für Feijoada und Botecos in Rio de Janeiro und für Flussfisch im Amazonas.
Sagen Sie uns, welche Regionen Sie reizen und ob Essen für Sie ein Hauptgrund der Reise ist oder eine schöne Nebensache. Wir bauen die Food-Touren und die richtigen Etappen in die Route ein. Sie erhalten ein persönliches, unverbindliches Angebot innerhalb von 24 Stunden.
Offizielle Quellen
Die Regeln und Zahlen in diesem Beitrag stammen von den folgenden offiziellen Stellen. Sie ändern sich, prüfen Sie sie deshalb für Ihre eigenen Reisedaten.
- Das Handwerk der Baianas de Acarajé, eingetragenes Kulturerbe · IPHAN, Instituto do Patrimônio Histórico e Artístico Nacional
- Handwerkliche Herstellung des Queijo Minas, eingetragenes Kulturerbe · IPHAN, Instituto do Patrimônio Histórico e Artístico Nacional
- Dekret 6.871 von 2009, die gesetzliche Definition der Caipirinha (Art. 68) · Presidência da República, Planalto
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