Fast das gesamte 18. Jahrhundert hindurch war Paraty der Ort, an dem Brasiliens Gold das Meer erreichte. Über eine Steinstraße durch die Berge aus den Minen von Minas Gerais herabgebracht, wurde es hier auf Schiffe verladen und nach Portugal gesandt. Dieser Reichtum baute die Stadt, durch die Sie heute noch gehen: herrschaftliche weiße Häuser mit bunt gestrichenen Türen und Fenstern, Barockkirchen und Straßen aus großen unregelmäßigen Steinen, die die Einheimischen pé de moleque nennen.
Als das Gold versiegte und später eine Eisenbahn den Kaffeehandel anderswohin lenkte, wurde Paraty schlicht zurückgelassen, und genau deshalb blieb es erhalten. Die Altstadt ist autofrei und nahezu perfekt bewahrt, so vollständig, dass die UNESCO Paraty und die Ilha Grande 2019 zu Brasiliens erstem gemischten Welterbe erklärte, ausgezeichnet für Kultur und Natur zugleich.
Die Stadt hat noch einen Kniff. Ihre Gassen wurden zum Meer hin geneigt angelegt, sodass bei den Springfluten um Voll- und Neumond das Wasser durch die alten Abläufe steigt, das Pflaster überflutet, die Stadt reinigt und wieder abfließt. Rundherum liegt die Costa Verde: eine Bucht voller Inseln, versteckte Strände, Wasserfälle im Wald und die Berge der Serra da Bocaina, die direkt dahinter aufragen.